In einer urigen Küche steht unschuldig eine Mikrowelle und versteckt ihr elektrisches Potenzial. Sie ist außerdem kaputt.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat angekündigt, ihre Vorschriften für die Prüfung für elektrische Anlagen und Betriebsmittel zu modernisieren. Ziel ist es, den Arbeitsschutz praxisnäher und risikoorientierter zu gestalten, ohne dabei das hohe Sicherheitsniveau zu senken. Für Unternehmen bedeutet das vor allem mehr Flexibilität bei der Festlegung von Prüffristen, jedoch keine Abschaffung der Prüfpflicht.

Warum werden die DGUV-Vorschriften überarbeitet?

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, Bürokratie abzubauen und gesetzliche Vorgaben stärker an der betrieblichen Praxis auszurichten. In diesem Zusammenhang überprüft auch die DGUV ihr Vorschriften- und Regelwerk. Im Fokus stehen insbesondere die DGUV Vorschriften 3 und 4, die die Sicherheit für elektrische Anlagen und Betriebsmittel regeln. Die Überarbeitung hat bereits begonnen. (DGUV)

Nach Angaben der DGUV sollen die Regelungen einfacher, verständlicher und gleichzeitig praxistauglicher werden. Unternehmen sollen ihren bestehenden Handlungsspielraum besser nutzen können, ohne dass der Schutz der Beschäftigten eingeschränkt wird.

Keine Abschaffung der DGUV V3-Prüfung

In den vergangenen Wochen wurde vielfach darüber spekuliert, ob die regelmäßige DGUV V3-Prüfung künftig entfallen könnte. Das Ergebnis der Diskussion ist aber eine Bestätigung der Prüfpflicht.

Regelmäßige Prüfungen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel sind weiterhin ein zentrales Instrument des Arbeitsschutzes. Sie helfen dabei, Stromunfälle und Brände zu vermeiden und die Sicherheit von Beschäftigten dauerhaft zu gewährleisten. Die Prüfung der Geräte ist dabei ein wesentliches Instrument, weil der Großteil der Unfälle mit elektrischem Strom mit Niederspannung vorfällt (Statistik DGUV). Das heißt, dass haushaltsüblicher Strom zur Gefährdung wird, wie zum Beispiel ein nicht richtig isoliertes Bauteil. Andere Gefährdungen sind seltener. Beispielsweise sind mir im vergangenen Jahr zwei Mikrowellenkondensatoren durchgebrannt, reparieren wollte die Mikrowellen wegen der elektrischen Gefährdung aber niemand. Bei hohen Spannungen passt man einfach oft selber gut auf.

Mehr Spielraum bei den Prüffristen

Bereits heute schreibt die DGUV keine starren Prüfintervalle für alle elektrischen Betriebsmittel vor. Stattdessen können Unternehmen die Prüffristen anhand einer Gefährdungsbeurteilung festlegen.

Dabei fließen unter anderem folgende Faktoren ein:

  • Art und Intensität der Nutzung
  • Umgebungsbedingungen
  • Fehlerquote vergleichbarer Betriebsmittel
  • Erfahrungen aus bisherigen Prüfungen

Die DGUV möchte diesen Gestaltungsspielraum künftig noch deutlicher hervorheben. Geräte mit geringer Beanspruchung – beispielsweise eine Kaffeemaschine im Pausenraum – können bereits heute längere Prüffristen erhalten als stark beanspruchte Arbeitsmittel auf Baustellen oder in Produktionsbetrieben.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für Arbeitgeber besteht derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Die bestehenden Vorschriften behalten ihre Gültigkeit, bis überarbeitete Regelungen offiziell veröffentlicht werden.

Unternehmen sollten daher weiterhin:

  • die DGUV Vorschrift 3 einhalten,
  • ihre Gefährdungsbeurteilungen regelmäßig aktualisieren,
  • Prüffristen nachvollziehbar dokumentieren und
  • elektrische Betriebsmittel weiterhin fachgerecht prüfen lassen.

Gerade die individuelle Festlegung von Prüffristen gewinnt künftig voraussichtlich noch stärker an Bedeutung.

Warum regelmäßige Prüfungen weiterhin sinnvoll sind

Die Diskussion um Bürokratieabbau darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass elektrische Defekte erhebliche Risiken bergen. Beschädigte Kabel, fehlerhafte Geräte oder Isolationsmängel können zu Stromschlägen, Bränden oder Produktionsausfällen führen.

Regelmäßige Prüfungen sorgen nicht nur für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, sondern reduzieren auch Haftungsrisiken und erhöhen die Betriebssicherheit. Die Kosten der Prüfungen stehen häufig in keinem Verhältnis zu den möglichen Folgen eines elektrischen Schadensereignisses. Wie genau die Modernisierung aussehen wird, werden wir sehen.

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