„Ich habe den Mann gesehen – den Hund aber nicht.“
Mit diesem Satz schilderte mir eine Bekannte einen Beinahe-Unfall auf ihrer Fahrradtour. Es war ein sonniger Mittag, wie so oft in diesen Tagen. Deshalb trug sie eine Sonnenbrille. Der größte Teil ihres Weges verlief in grellem Sonnenlicht. Dann kam ein kurzer, dicht bewaldeter Abschnitt mit einer leichten Kurve.
„Den Mann, der mir entgegenkam, habe ich gesehen, den Hund nicht. Sein Fell war dunkelbraun und er war zwar nicht klein, aber auch nicht groß. Ich bin um die Ecke und auf einmal war da dieser Hund vor mir.“
Zum Glück blieb es bei einem Schreck. Doch die Situation wirft eine interessante Frage auf: Worauf hätte sie achten können, um den Unfall zu vermeiden?
Die Antwort liegt nicht allein im Verhalten der Radfahrerin oder des Hundehalters, sondern auch in den besonderen Herausforderungen für unsere Augen. Wer längere Zeit in hellem Sonnenlicht unterwegs ist, gewöhnt sich an die hohe Helligkeit. Wechselt man anschließend abrupt in einen schattigen Waldabschnitt, benötigen die Augen einen Moment, um sich an die deutlich geringere Lichtmenge anzupassen. Besonders dunkle Gegenstände – oder ein brauner oder schwarzer Hund – können dabei deutlich später erkannt werden.
Der ADAC weist darauf hin, dass Sonnenbrillen zwar vor Blendung schützen und die Augen entlasten, gleichzeitig aber nicht zu stark getönt sein dürfen. Für den Straßenverkehr werden Gläser der Filterkategorie 2 oder 3 empfohlen. Außerdem sollten die Gläser entspiegelt sein und Farben möglichst unverfälscht wiedergeben.
Für Radfahrende ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz: Nicht nur der Blick nach vorn zählt, sondern auch die Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse. Wer aus der prallen Sonne in einen dunklen Wald fährt, sollte die Geschwindigkeit reduzieren und damit rechnen, dass Hindernisse schlechter zu erkennen sind. Das gilt besonders in Kurven oder auf schmalen Wegen, auf denen Spaziergänger, Kinder oder Hunde plötzlich auftauchen können.
In der geschilderten Situation war der entgegenkommende Mensch gut sichtbar. Der dunkelbraune Hund dagegen verschmolz mit dem schattigen Waldboden und dem dunklen Hintergrund. Eine langsamere Fahrweise hätte wahrscheinlich mehr Zeit gegeben, das Tier rechtzeitig wahrzunehmen.
Es ist hervorzuheben, dass sich keine der beteiligten Parteien hier unbedingt falsch verhalten hat. Meine Bekannte fuhr nicht schnell. Es blieb bei einer Notbremsung mit gebremstem Sturz wegen der Kurve bei ihr, dem Hund passierte nichts. Der Hund war gut erzogen, lief nah an seinem Herrchen, und hat beim Unfall nicht gebellt oder gebissen.
Es lag an dem Zusammenspiel von kleinen Faktoren, die alleine nicht schlimm sind. Eine Sonnenbrille an einem sonnigen Tag. Eine Kurve. Schatten. Dunkles Fell. Ein geteilter Radweg.
Ein Unfall passiert nicht absichtlich. Manchmal hat man Glück, manchmal hat man Pech. Das einzige, was man tun kann, ist, die einzelnen Risikofaktoren zu mindern. Und, um einen bekannten Charakter zu zitieren: „Immer wachsam.“
