Schatten eines Klettergerüstes auf Sand

Gestern im Garten: Kinder spielen zwischen Bobbycars, Sandspielzeug und einem kleinen Klettergerüst, das im Wesentlichen aus einer Hangelbrücke besteht. Für die Kleinsten sind die Sprossen noch zu weit auseinander, doch schon Dreijährige kommen gut zurecht, sobald sie ihre anfängliche Vorsicht überwunden haben. Besonders lieben es die Kinder, bis zur Mitte der Brücke zu klettern, sich an den Armen herunterhängen zu lassen und nach kurzem Hin- und Herschaukeln sicher im Sandkasten zu landen. Die Fallhöhe beträgt dabei nicht mehr als 30 Zentimeter.

Ein Junge hat allerdings eine noch spannendere Idee: Er möchte sich an der Unterseite der Brücke entlanghangeln. Kleine Kinder sind im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht erstaunlich stark, deshalb funktioniert das zunächst problemlos. Ein Elternteil steht daneben und sichert ihn. Dann passiert ein Missverständnis: Das Elternteil hilft gerade dabei, die Füße richtig einzuhaken. Das Kind versteht diese Bewegung jedoch als Signal, sich fallen zu lassen. Weil die Füße noch festgehalten werden, schlägt es ungebremst mit dem Hinterkopf auf dem Sand auf – aus einer Höhe von etwa einem Meter.

Eine sehr gruselige Situation, vor allem, weil sie so plötzlich und scheinbar aus dem Nichts entsteht. Eben noch hat das Kind die Kletterherausforderung sicher gemeistert, dann führen ein impulsiver Gedanke oder ein missverstandenes Signal zu einem Unfall. Das ist auch eine gute Erinnerung daran, dass kein Unfall geplant ist. Wenn jemand sagt „Mir passiert nichts, ich bin vorsichtig.“, dann glaube ich ihm das. Kind und Eltern haben die Situation beide als sicher eingeschätzt.

Jetzt zählt vor allem, dem Kind zu helfen. Es wird getröstet und bekommt ein Kühlpack auf den Hinterkopf. Die Eltern sind in Erster Hilfe am Kind geschult und erinnern sich an den KEKS-Test.

Der KEKS-Test ist ein Akronym für einen Orientierungstest zur Einschätzung einer möglichen Gehirnerschütterung bei Kindern.

K steht für Kopf: Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit können Anzeichen einer Gehirnerschütterung sein.

E steht für Empfindlichkeit: Schlechte Laune, Gereiztheit sowie eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen sind typische Symptome.

K steht für Konzentration: Ist das Kind vergesslich, wirkt benommen oder hat es Konzentrationsprobleme, können auch das Warnsignale sein.

S steht für Schlaf: Ist das Kind ungewöhnlich müde oder erschöpft oder schläft es nach der Kopfverletzung schlechter als sonst, kann auch das auf eine Gehirnerschütterung hindeuten.

Zum Glück geht es dem Kind nach etwas Trost und einem Eis deutlich besser. Der Hinterkopf bleibt zwar druckempfindlich, weitere Symptome treten jedoch weder unmittelbar noch am Abend oder in der Nacht auf. Da Beschwerden zeitversetzt auftreten können, ist es wichtig, das Kind auch in den Stunden nach dem Unfall aufmerksam zu beobachten. Je jünger ein Kind ist, desto eher sollte man auch bei scheinbar leichten Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Bei Säuglingen gilt: Nach einem Unfall mit einer Kopfverletzung sollte grundsätzlich eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Dass alles glimpflich ausgegangen ist, lag wahrscheinlich an einer Kombination aus Glück, der erstaunlichen Robustheit kleiner Kinder und dem Sand als Fallschutz. Unter Spielgeräten muss nach DIN EN 1177 ein stoßdämpfender Untergrund vorhanden sein. Unter der Hangelbrücke befindet sich eine 30 Zentimeter dicke Sandschicht, die nach DIN EN 1177 für eine maximale Fallhöhe von drei Metern ausgelegt ist.

In unserem Fall hat sich das bewahrheitet. Ein Hoch auf sichere Spielplätze und die Tante, die uns den Erste-Hilfe-Kurs zur Geburt geschenkt hat.

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