Am 20. Juni 2026 findet der bundesweite Tag der Verkehrssicherheit statt. Der Aktionstag wird seit 2005 vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) jeweils am dritten Samstag im Juni organisiert. Der DVR wird unter anderem von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung finanziert und setzt sich für die Verbesserung der Verkehrssicherheit in Deutschland ein.
Das übergeordnete Ziel des Tags der Verkehrssicherheit ist die sogenannte „Vision Zero“ – die Vision eines Straßenverkehrs ohne Tote und Schwerverletzte. Um dieses Ziel in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, steht der Aktionstag jedes Jahr unter einem eigenen Motto. Bekannt geworden sind beispielsweise Kampagnen wie „Runter vom Gas“. Das Motto des Jahres 2026 lautet: „Zwei Räder, ein Ziel: Null Unfälle“.
Die Wahl dieses Mottos lenkt den Blick auf eine besonders gefährdete Gruppe im Straßenverkehr: die Fahrerinnen und Fahrer von Krafträdern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen im Jahr 2024 insgesamt 554 Nutzer von Krafträdern mit Versicherungskennzeichen oder amtlichen Kennzeichen bei Verkehrsunfällen ums Leben (Quelle: statista).
Maßnahmen für die Verkehrssicherheit
Die stagnante Zahl zeigt, dass die Effektivität der bisherigen Maßnahmen ausgereizt ist. Neue Ansätze sind erforderlich. Sie können politisch sein, wie eine Helmpflicht oder Extraspur für Motorräder, oder gesellschaftlich/individuell. Dazu zählt zum Beispiel das Halten eines größeren Sicherheitsabstandes von Autos zu Motorrädern oder der Verzicht der Kraftradfahrer auf Manöver wie Schlängeln im Stau. Auch technische Maßnahmen sind möglich, wie Fahrerassistenzsysteme oder bessere Schutzkleidung.
Besonders deutlich wird die Gefährdung von Kraftradfahrern beim Vergleich mit Pkw-Nutzern. Während auf einen getöteten Kraftradfahrer etwa zwei getötete Pkw-Fahrer kommen, beträgt das Verhältnis ihrer Beteiligung an Verkehrsunfällen lediglich etwa eins zu acht. Anders ausgedrückt: Motorradfahrer sind im Verhältnis zu ihrer Verkehrsbeteiligung einem deutlich höheren tödlichen Risiko ausgesetzt als Autofahrer. Diese Zahlen verdeutlichen den besonderen Handlungsbedarf, wenn die Vision Zero tatsächlich erreicht werden soll.
Der Handlungsbedarf besteht heute
Der Tag der Verkehrssicherheit 2026 sollte daher nicht nur informieren, sondern auch zum Handeln aufrufen. Zum einen muss die gesellschaftliche Wahrnehmung für die Gefahren im Straßenverkehr geschärft werden. Verkehrsunfälle werden häufig als unvermeidbare Begleiterscheinung der Mobilität betrachtet, obwohl viele von ihnen durch geeignete Maßnahmen verhindert werden könnten. Zum anderen sollte der Aktionstag politischen Druck erzeugen, damit wirksame Maßnahmen schneller umgesetzt werden. Dass Maßnahmen einen Effekt haben, zeigt das nachfolgende Bild sehr schön, zu finden bei statista:

Gleichzeitig stellt sich die Frage, was jede und jeder Einzelne bereits heute tun kann. Mehr Rücksichtnahme, angepasste Geschwindigkeit, erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern und die Bereitschaft, das eigene Fahrverhalten kritisch zu hinterfragen, können unmittelbar zur Verkehrssicherheit beitragen. Autofahrer können Motorräder, Fahrräder und Fußgänger bewusster wahrnehmen. Motorradfahrer können durch defensives Fahren, geeignete Schutzkleidung und regelmäßige Fahrsicherheitstrainings Risiken reduzieren.
Der Tag der Verkehrssicherheit erinnert uns daran, dass Verkehrssicherheit eine gemeinsame Aufgabe ist. Die Vision Zero wird nur dann Wirklichkeit, wenn Politik, Gesellschaft und jeder einzelne Verkehrsteilnehmer ihren Beitrag leisten. Bis neue Maßnahmen beschlossen und umgesetzt sind, bleibt die wichtigste Frage: Was können wir schon heute tun, um den Verkehr für alle sicherer zu machen? Welche Ideen haben Sie?
