„Zum Geburtstag viel Glück…“ und das wird das Geburtstagskind brauchen. Aber wir greifen vor. Was ist passiert?
Diese Begebenheit spielte sich letztes Jahr tatsächlich auf der Geburtstagsfeier einer Bekannten ab und zwar folgendermaßen:
Nach dem Auspacken der Geschenke und einigen Spielen waren die Kinder hungrig und wurden zum Kuchen gebeten. Da die Kinder in den letzten Jahren den Kuchen oft verschmäht hatten, hatten die Gastgeber dieses Jahr nur einige reich verzierte Muffins vorbereitet, dazu geschnittenes Obst. Statt dem Kuchen gab es eine Torte aus Holz.
Das Holzspielzeug verfügt über Löcher in jedem Kuchenstück, in das Kerzen gesteckt werden können. Die Kerzen sind normalerweise aus Plastik. Zur Feier des Tages hatten die Gastgeber jedoch zwei davon entfernt – und durch echte Kerzen ersetzt. Bereits angezündet.
Da dies ein sechster Geburtstag war, waren außer mir und den Gastgebern keine weiteren Eltern anwesend. Ich machte die Eltern auf die Brandgefahr aufmerksam, aber die Bedenken wurden damit abgetan, dass das Geburtstagskind nach dem Lied die Kerzen gleich auspusten würde.
Also entfernten wir auf mein Drängen alle Servietten, sangen „Zum Geburtstag viel Glück“, hatten Glück und die Kerzen wurde ohne besondere Vorkommnisse ausgepustet.
Warum hätte so einfach etwas passieren können?
Ein Kuchen ist feucht und recht stabil (sonst fällt die Kreation schon vor dem Einstecken der Kerzen auseinander), daher ist eine Kerze auf einem Geburtstag in der Regel kein Problem, sofern man sie nicht zu lange brennen lässt.
Holz ist dagegen ein leicht entflammbarer Werkstoff. Werden echte Kerzen direkt in ein Holzspielzeug gesteckt, kann sich die Hitze unbemerkt ins Material übertragen. Schon herabtropfendes Wachs oder eine leicht schief stehende Kerze können ausreichen, um einen Schwelbrand auszulösen. Hinzu kommt: Ein Holzspielzeug-Kuchen wirkt stabil und sicher. Gerade diese trügerische Sicherheit kann dazu führen, dass Erwachsene das Risiko unterschätzen.
Besonders kritisch ist, dass sich Kinder häufig nah am Tisch aufhalten. Sie bewegen sich unvorhersehbar, stoßen möglicherweise gegen den Tisch oder greifen nach dem „Kuchen“. Eine brennende Kerze kann dabei umkippen und brennbares Material entzünden. In diesem Fall waren der Holzkuchen, die Wachstischdecke und der Plastiktisch alles brennbar. Der Boden war immerhin aus Stein.
Was wäre die risikoarme Alternative?
LEDs. Aber die kann man nicht auspusten.
Wenn es also echte Kerzen sein sollen, dann gibt es folgende Ansätze für mehr Sicherheit:
- Normale Kerzenhalter aus Metall, Glas oder Stein an. Es gibt sie auch als Geburtstagsdekoration. Modelle mit Tropfschutz sind vorzuziehen.
- Eine feuerfeste Unterlage, zum Beispiel eine Kuchenplatte aus Porzellan, Glas oder Metall.
- Alle anderen brennbaren Gegenstände außer Reichweite legen. Hier wären das die Servietten und Pappteller.
- Alle brennbaren Personen um Abstand bitten. Das hat auch den Vorteil, dass kein Kind gegen die Kerzen stößt.
- Das Feuer nie aus den Augen lassen (Achtung, das Feuer interessiert sich ohne Punkt 6 nicht dafür!)
- Einen Notfallplan haben. Einen Krug Wasser, einen Feuerlöscher…
- Den Fluchtweg freihalten. Er war hier von Jacken, Schuhen und Spielzeug verstellt.
Über Risiken nachzudenken, ist oft ein Stimmungskiller, aber ein Hausbrand ist nicht das passende Geschenk für einen Kindergeburtstag. Planen Sie so, dass am Ende Glück nicht der entscheidende Faktor ist.
